Apfeltag in Goldenstedt

Bild: © NIZ Goldenstedt

Apfeltag in Goldenstedt

Der „Schöne aus Lutten“

Am 10. Oktober ist Apfeltag beim Naturschutz- und Informationszentrum (NIZ), Haus im Moor, in Goldenstedt. Ein Interview mit dem Apfelexperten Dr. Dankwart Seipp, der die beliebte Sortenbestimmung zusammen mit der Pomologin Ariane Müller vornehmen wird.

Frage: Was genau bieten Sie an?

Dankwart Seipp: Zu uns kommen Besucher mit Apfelsorten, die sie nicht kennen oder wo sie sich vergewissern wollen, was das ist. Und wir bestimmen die dann.

Und worauf achten Sie dabei?

Zunächst auf den Gesamteindruck, also auf Größe und Farbe, ob grün, gelb, rot oder rot geflammt – das sind typische Merkmale für eine Sorte. Dann schauen wir uns die Kelchgrube an, also die Stelle, wo die Blüte gesessen hat. Auch das ist ein typisches Merkmal, genauso wie der Stiel mit der Stielgrube. Um sicher zu gehen, schneiden wir den Apfel senkrecht durch und schauen, wie das Kerngehäuse aufgebaut ist und wie der Übergang von Kelch bis Stiel ist, auch da gibt es bei vielen Sorten charakteristische Formen.

Gibt es auch Äpfel, bei denen Sie nicht sagen können, um was es sich handelt?

Das gibt es schon. Aber das sind nur wenige.

Wie viele Apfelsorten gibt es denn?

Deutschlandweit sicherlich über tausend Sorten. Viele findet man allerdings nur noch selten. Auch wir machen mitunter noch Entdeckungen. Im Erwerbsobstbau gibt es ein relativ enges Sortiment. Auf den Streuobstwiesen haben wir dagegen eine große Vielfalt.

Gilt das auch für den Nordwesten?

Ja. Es gibt spezielle Sorten, die hier entstanden sind, zum Beispiel „Schöner aus Lutten“. Der ist um 1920 von einem Obstbauern gefunden und auch in großem Umfang angebaut worden. Oder die Sorte „Osterkamps Renette“ aus Visbek, ein schöner großer Sommerapfel. Ebenfalls wichtig für die Region: der „Gelbe Münsterländer“ und der „Rote Münsterländer“. Die gibt es auch heute noch auf Wiesen mit alten Obstbäumen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren das die häufigsten Sorten. Aber das war noch ein ganz anders strukturierter Obstbau mit Hochstämmen und anderen Vermarktungswegen.

„An apple a day keeps the doctor away“ – essen Sie jeden Tag Ihren Apfel?

Das ist schon ein vernünftiges Sprichwort. Es sei denn, man ist Apfel-Allergiker. Und weil auch ich da reagiere, esse ich nur noch gekochte Äpfel.

Jede und jeder von uns verzehrt im Schnitt rund 25 Kilo Äpfel im Jahr, auch im Apfelmus, im Müsli oder in Säften. Als beliebteste Sorten gelten der „Braeburn“ und der saftige „Elstar“.  

„Jonagold“ wäre noch eine sehr wichtige Sorte. Und von den alten Sorten spielt „Boskop“ immer noch eine Rolle. Und auch „Golden Delicious“ wird noch gekauft.

Unterschiedliche Äpfel schmecken zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich gut?

Ja. Es gibt Frühsorten, die nur eine kurze Haltbarkeit haben, manchmal nur 14 Tage ­– die muss man praktisch vom Baum wegessen. Die, die später reifen, sind in der Regel länger haltbar und eigentlich alle top. Jede Sorte hat ihren geschmacklichen Höhepunkt, bis hin zu „Rubinette“, den man noch um Weihnachten gut essen kann.

Beim Apfeltag sollte ja jeder Besucher mindestens fünf Äpfel pro Sorte mitbringen. Da haben Sie gut zu tun.

 

In der Regel sind wir durchgängig beschäftigt. Aber wir sind ja zu zweit.

Apfelexperte Dr. Dankwart Seipp © Dankwart Seipp
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