Neues aus der Redaktion

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,und wenn es uns noch so nervt, nein, wir werden nicht über SARS-CoV-2 & Co sprechen. Wir werden auch nicht im Detail darauf eingehen, dass unser Miteinander komplizierter geworden ist, aufgrund von Unduldsamkeit, von Wichtigtuerei, von Aggressionen und von Mobbing, von Hass und Gewalt sogar. Was das Ganze soll, wo wir doch eigentlich zusammenhalten sollten das wird man sich vielleicht eines Tages erklären können. Wir bleiben derweil gelassen, positiv im Bezug auf unsere Perspektiven, weltoffen wie immer und neugierig zu sehen, was sich außerhalb unseres kleinen Kosmos so tut.

So nutzen auch wir die Chance uns einer Aktion anzuschließen, die seit Mitte Februar mit einem aufsehenerregenden Appell des Fußball-Magazins „11 Freunde“ für Furore sorgt: In dem mehr als 800 deutsche Fußballspieler und Fußballspielerinnen homosexuellen Spielern ihre Solidarität und aktive Unterstützung bei einem Coming-out zusichern. Homosexualität ist in unserer Gesellschaft nicht erst seit „Prince Charming“ keine Besonderheit mehr, doch gerade im Männerfußball wird sie geleugnet, missachtet, unterdrückt, versteckt und scheinbar voller Angst ignoriert. Umso bedeutender ist dieses Angebot – Aufforderung und Solidarität gleichzeitig:

Ihr könnt auf uns zählen!                 

Auch im Jahr 2021 gibt es keinen einzigen offen homosexuellen Fußballer in den deutschen Profiligen der Männer. Die Angst, nach einem Coming-out angefeindet und ausgegrenzt zu werden und die Karriere als Profifußballer zu gefährden, ist offenbar immer noch so groß, dass schwule Fußballer glauben, ihre Sexualität verstecken zu müssen.

Niemand soll zu einem Coming-out gedrängt werden. Das ist die freie Entscheidung jedes Einzelnen. Aber wir wollen, dass sich jeder, der sich dafür entscheidet, unserer vollen Unterstützung und Solidarität sicher sein kann. Weil es zu den elementaren Freiheitsrechten jedes Menschen gehört, sich zu seiner sexuellen Orientierung bekennen zu können. Und weil nur der seinen Beruf mit Freude ausüben kann, der nicht einen wichtigen Teil seiner Persönlichkeit vor anderen verstecken muss.
Und deshalb sagen wir allen, die mit dieser Entscheidung ringen: Wir werden euch unterstützen und ermutigen und, falls notwendig, auch gegen Anfeindungen verteidigen. Denn ihr tut das Richtige, und wir sind auf eurer Seite.
Erklärung von Fußballerinnen und
Fußballern in Deutschland


Natürlich ist dem nichts hinzuzufügen, außer, dass dieser Appell sich zwar auf Sexualität bezieht – „und das ist auch gut so“ – jedoch darüber hinaus das gesamte Spektrum von Zusammenleben benennt. In dem jeder Mensch, egal wie klein oder groß, egal wie jung oder alt, egal wie arm oder reich; egal welcher Hautfarbe und welcher Religionszugehörigkeit; egal welcher Ausrichtung und Einstellung zum Leben – dass alle Menschen als Teil unserer Gemeinschaft so sein können, wie sie sind und wie sie diese Individualität zum Ausdruck bringen wollen. Das versteht sich im Rahmen von Ethik und Moral und nach den Vorgaben unserer Gesetzordnung.

Wir müssen gar nicht weit über den Horizont blicken, um zu erkennen, wie privilegiert wir leben. Trotz der Einschränkungen und auch Rückschläge, die viele von uns in der momentanen Pandemie-Situation hinnehmen müssen. Es klingt abgedroschen, ja, aber es ist wahr, dass, wenn wir uns gegenseitig unterstützen, das Ende der Pandemie der Anfang sein wird, für eine neue Normalität.

Die Aussicht darauf ist spannend, die Umsetzung aber kann umso besser gelingen, wenn wir alle uns dem Wesentlichen hingeben können, unserem Zusammenleben, ohne Vorurteile, ohne Repressionen, einfach als das WIR.

Ihr Team der Stadtmagazine